SCHURA Hamburg veröffentlicht Freitagspredigt gegen Hass, Gewalt und den Missbrauch der Religion
Hamburg, 31.07.2026
Nach dem Anschlag beim Christopher Street Day in Berlin hat die SCHURA – Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg e. V. eine Freitagspredigt (Khutba) veröffentlicht und den Mitgliedsgemeinden für das Freitagsgebet zur Verfügung gestellt. Verfasst wurde sie vom Gelehrtenrat der SCHURA Hamburg.
Im Mittelpunkt stehen die Trauer um die Opfer, die Anteilnahme mit den Angehörigen und eine klare Ablehnung jeder Form von Hass und Gewalt. Unter Berufung auf den Qur’an und die Überlieferungen des Propheten Muhammad betont die Predigt: Der Schutz menschlichen Lebens und die Wahrung der Menschenwürde gehören zu den grundlegenden Geboten des Islams.
„Niemand darf wegen seiner Herkunft, seiner Religion oder seiner Lebensweise Opfer von Hass und Gewalt werden“, heißt es in der Khutba.
Die Predigt macht deutlich: Muslime dürfen religiöse und ethische Positionen vertreten – auch in Fragen der Sexualethik –, ohne andere zu beleidigen oder ihre Würde infrage zu stellen. Unterschiedliche Auffassungen dürften niemals als Rechtfertigung für Ausgrenzung, Selbstjustiz oder Gewalt dienen.
Dazu heißt es in der Predigt:
„Wir dürfen widersprechen, ohne die Würde eines Menschen infrage zu stellen.“
Ein weiterer Schwerpunkt der Predigt ist die Verantwortung für Sprache: Gerade in gesellschaftlich angespannten Situationen könnten Pauschalisierungen, Entmenschlichung und hasserfüllte Äußerungen den Boden für Gewalt bereiten. Religiöse Verantwortung, Besonnenheit und Gerechtigkeit seien deshalb jetzt besonders gefragt.
Die Khutba weist zudem jede Instrumentalisierung des Islams zur Rechtfertigung von Gewalt entschieden zurück:
„Wenn Menschen den Islam benutzen, um Hass oder Angriffe auf andere zu rechtfertigen, missbrauchen sie unsere Religion. Der Islam gestattet keine Selbstjustiz.“
Die SCHURA Hamburg verurteilt den Anschlag in Berlin sowie jede Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Identität. Mit der Veröffentlichung der Khutba setzt der Gelehrtenrat ein Zeichen für den Schutz menschlichen Lebens, die Unantastbarkeit der Menschenwürde sowie für Frieden, Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Pressekontakt
SCHURA – Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg e. V.
Gelehrtenrat
Fatih Yildiz
f.yildiz@schura-hamburg.de
Was ist eine Khutba?
Die Khutba ist die Predigt, die jeden Freitag im Rahmen des gemeinsamen Freitagsgebets (Jumua) in der Moschee gehalten wird. Sie ist fester Bestandteil des islamischen Gottesdienstes und richtet sich an die versammelte Gemeinde. Neben religiösen und ethischen Themen greift die Khutba häufig auch aktuelle gesellschaftliche Fragen auf und dient damit als zentrales Instrument religiöser Orientierung und Meinungsbildung innerhalb der muslimischen Gemeinschaft. Predigten wie diese erreichen so wöchentlich eine breite Zahl an Gläubigen direkt in den Gemeinden.
